JOHN COPLANS IN KÖRPER ALS PROTEST

John Coplans zählt sicher zu den komplexesten Fotografen der Gegenwart. Als er 1984 im Alter von 64 Jahren begann, seinen Körper zu fotografieren, brach Coplans mit vielen Tabus: Nicht nur zeigte er seinen Körper alt und vergänglich, sondern auch nackt. Dies ist eine Besonderheit, stellen Selbstinszenierungen männlicher Künstler als Akt doch eine Ausnahme dar. Auch die schonungslose (und humorvolle) Dokumentation seines Alterungsprozesses widerspricht bis heute gültigen Idealen wie Jugendlichkeit und Makellosigkeit.

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Bildcredit

Es wäre jedoch ein Fehler, Coplans Fotos nur im Hinblick auf sein Motiv bzw. den Körper zu betrachten. So basiert seine Bildsprache auf einer äußerst durchdachten Inszenierung. Mit Hilfe einer Polaroid-Fachkamera fragmentierte er seinen Körper in visuelle Einzelteile, die er neu (re)kombinierte. Durch oftmals radikale Nahansichten und leichte Perspektivverschiebungen von Bild zu Bild verfremdete er seinen Körper – eine Aufnahmestrategie, die den Errungenschaften der Konzeptfotografie geschuldet ist. Der Einsatz scheinbar unlogischer Perspektiven und die Abstraktion von Motiven im Bild war hierbei ein künstlerisches Verfahren, mit dem der Wirklichkeitsglaube, den speziell die Fotografie mit sich bringt, hinterfragt wurde.

Die Kombination neuer Körpermotive mit konzeptuellen Überlegungen zu Bildwirklichkeiten der Fotografie macht Coplans Fotografien besonders. Nicht nur zeugen seine Fotos von einem Körperbild, dessen Normativität längst brüchig geworden ist, sondern auch von einem Verständnis, das den Körper als mangelhaft, verletzbar und nicht zuletzt vergänglich ansah.

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